Parlamentarismus

Gedanken zur Lage des heutigen Parlamentarismus und Informationen zu seiner historischen Erforschung
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Konferenzen

Parliaments and the colonial – imperial experience in the medieval and modern periods
Die Tagung findet vom 4. bis 7. September 2013 in Dublin statt.

Secondary themes:
· Parliaments, lawyers and the law – making and judging law in parliament.
· Parliaments and political culture.
· Sources and methodology for the study of parliamentary history.
· Parliaments and nation-building.
zugleich: 64th Annual Conference der International Commission for the History of Representative and Parliamentary Institutions

– Call for Papers –
The deadline for submission of proposals is the end of April 2013. Proposals should be sent as a Word attachment containing the speaker’s name, institutional affiliation, e-mail address, title of the paper, along with a description of the paper (not exceeding 250 words).
All correspondence should be addressed to Dr Coleman Dennehy,ichrpi2013@gmail.com
Attendance and the reading of papers at the conference is open to members and to non-members alike.
All information can be found on our website: www.ichrpi.com

Parteiengeschichte heute. Forschungsstand, Desiderate und neue Fragen
Der Workshop findet am 15. Februar 2013 in Münster statt.

Ausgehend von dem Befund, dass Parteiengeschichte seit vielen Jahren in
Deutschland kaum noch betrieben wird (also als “unsexy”, langweilig oder
karriereschädlich gilt), plädiere ich dafür, dass man sich erneut der
Parteiengeschichte des 20. Jahrhunderts zuwenden soll, und möchte 2013
ein entsprechendes Forschungsprojekt beantragen.
Dieses Projekt soll anhand einer Analyse der Organisation,
gesellschaftlichen Basis, sozialen Herkunft der Mitglieder und
Funktionäre, Führungsstruktur und Entscheidungsprozesse in
Massenparteien des 20. Jahrhunderts einerseits Aufschlüsse geben über
den allgemeinen Charakter von Parteien im Zeitalter der Massenpolitik
und der Fundamentalpolitisierung sowie andererseits über spezifische
Unterschiede etwa zwischen demokratischen/undemokratischen,
linken/rechten, deutschen/italienischen usw. Parteien. Im Mittelpunkt
des geplanten Projekts sollen Parteien stehen, die eine hohe Zahl von
Mitgliedern (mindestens 100.000) organisierten und verwalteten und die
möglichst lange, also unter verschiedenen politischen Rahmenbedingungen
existiert haben. Der Untersuchungszeitraum sollte sich jeweils über
große Teile des 20. Jahrhunderts erstrecken.
Besonders interessant erscheint mir die Zeit 1910 bis etwa 1980.
Parteien, die diesen Kriterien entsprechen, sind etwa die SPD, die
Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ), die NSDAP (obwohl sie nur gut
20 Jahre existierte) der Partito Nazionale Fascista und seine
Nachfolgeorganisation MSI, der Partito Popolare Italiano (PPI) und seine
Nachfolgeorganisation Democrazia Cristiana, die Labour Party oder auch
die US Democrats.
Das übergreifende Erkenntnisinteresse zielt darauf ab, ob es spezifische
Entwicklungspfade in der modernen Parteiengeschichte gab. Haben alle
modernen Massenparteien ähnliche Strukturen? Oder dominieren jeweils
landesspezifische oder politische (demokratische vs. autoritäre/
sozialdemokratische vs. faschistische) Besonderheiten? Dabei geht es
nicht um die Programmatik, sondern der Fokus richtet sich auf
Organisationsstrukturen, Mitgliederverwaltung, Alimentierung der
Funktionäre etc. Welche Verfahren entwickelten moderne Massenparteien in
verschiedenen Ländern und unter verschiedenen politischen
Rahmenbedingungen zur Regelung interner Konflikte
(Parteigerichtsbarkeit, Ausschlussverfahren)? Woher kam das
Parteivermögen, wie wurde es verwaltet, akkumuliert und in
unterschiedlichen Phasen mit welchen politischen Zielen eingesetzt? Ist
die heute unisono beklagte Vetternwirtschaft ein Symptom saturierter
Parteistrukturen?
Neben solchen eher klassischen sozial- und parteiengeschichtlichen
Fragestellungen, die gleichwohl für die genannten Parteien nicht
systematisch erforscht und dargestellt sind, erscheinen auch eher
kulturgeschichtliche Fragen interessant. Wie ließ sich etwa das Konzept
einer lebenslangen Parteimitgliedschaft (“von der Wiege bis zur Bahre”)
mit den unterschiedlichen politischen Interessen verschiedener
Generationen vereinbaren? Wie gelingt es einer modernen Massenpartei
(Volkspartei), die unterschiedlichen Interessen verschiedener sozialer
Gruppen in der Mitgliedschaft zu integrieren? Wie lassen sich
Widersprüche zwischen Gruppeninteressen und dem Parteiprogramm (der
“Parteilichkeit”) harmonisieren? Wie gestaltete sich das (schwierige)
Verhältnis zwischen Funktionären und einfachen Mitgliedern? Wie wurden
die unvermeidlichen Konflikte zwischen beiden Gruppen beigelegt?
Der Workshop soll zu einer Bestandsaufnahme der
Parteigeschichtsschreibung in international vergleichender Perspektive
dienen, neue Fragen aufwerfen, Austausch über Quellenbestände
ermöglichen und die Vernetzung von Historikern verbessern, die in
Deutschland und Italien an einer neuen Parteiengeschichte interessiert
sind.
Alle interessierten Forscherinnen und Forscher sind herzlich eingeladen.
Um eine Anmeldung wird gebeten unter chjansen@wwu.de .

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Impulsreferate
(je 20-30 Minuten Vortrag; 15-20 Minuten Diskussion)

I) Faschistische Parteien
14 Uhr Armin Nolzen (Warburg): Geschichte der NSDAP. Eine
Gesamtdarstellung

14.45 Uhr Susanne Meinl (Dietramszell): Kontrolle und Korruption. Das
Amt des Reichsschatzmeisters als zentrale Steuerung der NSDAP.

15.30 Uhr Lorenzo Santoro (Rom): Research on Partito Nazionale Fascista
1919-1943 and open questions

16-16.30 Kaffeepause

II) Demokratische Parteien

16.30 Uhr Till Kössler (Bochum): Das parteiengeschichtliche
Forschungsprojekt von Tenfelde und Recker (2000-2005): Ergebnisse und
weitergehende Fragen

17.15 Uhr Claudia Gatzka (Berlin): Bürger und Parteien –
Parteiengeschichte als Beziehungsgeschichte in Italien und
Westdeutschland nach 1945

18 Uhr Thomas Großbölting (Münster): Formale Organisation und informelle
Praxis – ein innovativer Ansatz zur Erforschung von Massenparteien des
20. Jahrhunderts?

18.45-19.30 Uhr: Schlussdiskussion: Neue Ideen und Perspektiven für die
Erforschung der Massenparteien des 20. Jahrhunderts

20 Uhr gemeinsames Abendessen

Prof. Dr. Christian JANSEN
Historisches Seminar
Domplatz 21-22
48143 Münster

150 Jahre moderner Parlamentarismus in Mitteleuropa
Die Tagung findet vom 6. bis 8. April 2011 in Prag statt.

Das Abgeordnetenhaus und der Senat des Parlaments, das Masaryk-Institut und das Archiv der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, die Österreichische Akademie der Wissenschaften – Kommission für die Geschichte der Habsburgermonarchie veranstalten vom 6.-8. April 2011 eine internationale Konferenz.

Im Frühling des Jahres 2011 werden 150 Jahre seit der ersten Sitzung des wiederhergestellten Abgeordnetenhauses der böhmischen Länder und in der Folge auch des neu konstituierten Reichsrates in Wien vergangen sein. Die Geschichte der Parlamente bildet einen integralen Bestandteil der modernen europäischen Geschichte. Ihre Bedeutung, Rolle und Relevanz änderte sich im Laufe der Vergangenheit, aber immer spiegelten sie das politische und gesellschaftliche Klima der einzelnen Epochen und Staaten wieder. Zur Erinnerung an das 150. Jubiläum der Entstehung des modernen Parlamentarimus in Mitteleuropa entschieden sich die oben genannten Institutionen, eine internationale Konferenz zu veranstalten, welche unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Sentas und des Abgeordnetenhauses des Parlamentes der Tschechischen Republik verläuft. Die Organisatoren der geplanten Konferenz rufen Interessenten aus der Reihe der Historiker, Rechtswissenschaftler und Politologen auf, an diesem wissenschatlichen Treffen teilzunehmen und so zu weiteren Erkenntnissen der Entwicklung des Parlamentarismus, Konstitutionalismus und der politischen Kultur in den böhmischen Ländern und Mitteleuropa beizutragen.

Die Themen der Konferenzbeiträge sollen folgende Problemstellungen berücksichtigen:
1) Entstehung und Entwicklung des Parlamentarismus und Konstitutionalismus in Mitteleuropa bis zum Jahr 1918
2) Spezifika der Entwicklung des Parlamentarismus im Mitteleuropa der Zwischenkriegszeit
3) Volksrepräsentation in Parlamenten der Vielvölkerstaaten
4) Parlamentarismus in totalitären Regimen des 20. Jahrhunderts
5) Parlament und Parlamentarismus in der posttotalitären Transformation

Die Fachkonferenz wird simultan gedolmetscht (deutsch, englisch); die Organisatoren setzen die Abgabe der Beiträge in gedruckter Form voraus. Die Unterbringung der Teilnehmer bezahlen die Organisatoren.

Vorläufiges Programm

Mittwoch den 6. April 2011
Feierliche Eröffnung der Tagung
17:00 – 17:45 Eröffnungsreden
18:00 – 18:45 Begrüßung der Teilnehmer von der Seite der Organisatoren
Helmut RUMPLER (Wien): Eine versäumte Gelegenheit: der cisleithanische Reichsrat zwischen Parlament und Reichsversammlung
Luboš VELEK (Praha): Der böhmische Landtag und seine Stelle in der Geschichte der böhmischen Länder. Stand und Perspektiven der Forschung
Ab 19:00 Feierlicher Empfang der Teilnehmer

Donnerstag den 7. April 2011
Themenblock I: Die Entstehung und Entwicklung des modernen Parlamentarismus und Konstitutionalismus in Mitteleuropa bis zum Jahr 1918

9:00 – 9:20 Ellinor FORSTER (Innsbruck): Parlamentarismus in den Kinderschuhen? Die neue soziale Zusammensetzung der Abgeordnetengremien in der bayerischen Verfassung von 1808
9:20 – 9:40 Beata LAKEBERG (Oldenburg): Der Prager Slawenkongress – ein Repräsentationsorgan aller Slawen?
9:40 – 10:00 Tobias KAISER (Berlin): Gewalt und Parlament – Parlamentarische Polizeigewalt in Europa
10:00 – 10:15 Diskussion
10:15 – 10:30 Kaffeepause
10:30 – 10:50 Jonathan KWAN (Nottingham): Discussing Politics: The Beginnings of Parliamentarism in the Habsburg Monarchy, 1861–1867
10:50 – 11:10 Stefan MALFÉR (Wien): „Das Recht, Gesetze zu geben …“. Vom verstärkten über den Gesamt- zum engeren Reichsrat, oder: über die Anfänge der Gewaltenteilung in Cisleithanien
11:10 – 11:30 Pieter M. JUDSON (Swarthmore): Deputies, Ministers, & Journalists: Forging a Parliamentary System ‘from Below’ in Cisleithania
11:30 – 11:45 Diskussion
11:45 – 12:00 Kaffeepause
12:00 – 12:20 Jiří ŠTAIF (Praha): Die Wahlgeometrie von A. v. Schmerling und die tschechische Politik in 1860er Jahren
12:20 – 12:40 Petr URBANITSCH (Wien): Bevölkerungsstruktur und Wahlverhalten in ausgewählten Wahlkreisen bei den Wahlen zum cisleithanischen Reichsrat in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts
12:40 – 13:00 Franz ADLGASSER (Wien): Von der Honoratioren- zur Volksvertretung? Politischer Elitenwandel am Beispiel des altösterreichischen Parlaments
13:00 – 13:15 Diskussion

Themenblock II. (Sektion A)
14:00 – 14:20 Jiří MALÍŘ (Brno): Länderparlamentarismus und zeitgemäße nationale, soziale und demokratisierende Tendenzen am Beispiel des mährischen Landtages 1861–1918
14:20 – 14:40 Andrej RAHTEN (Ljubljana): Von Primussen zu Volkstribunen – die slowenischen Parlamentarier in der Habsburgermonarchie
14:40 – 15:00 Tomáš PAVLÍCEK (Praha): Repräsentative Politik vom Beruf. Nach Herrenhaus dank allgemeine Verehrung, die durch die Ergebenheit, den Sinn für Wohltätigkeit und die herzliche Gewogenheit für Jedermann gewonnen war
15:00 – 15:15 Diskussion
15:15 – 15:30 Kaffeepause
15:30 – 15:50 Petr VALENTA (Praha): Chabrus-Wahlen in den böhmischen Landtag von 1872 und ihre nationale Dimension
15:50 – 16:10 Lothar HÖBELT (Wien): Die 1880er-Jahre als Wendepunkt der deutschen Politik in Böhmen
16:10 – 16:30 Karol HOLLÝ (Bratislava): Aktivity slovenských a rumunských poslancov v Uhorskom sneme 1905–1914 / Aktivitäten der slowakischen und rumänischen Abgeordneten im Ungarischen Reichstag 1905–1914
16:30 – 16:45 Diskussion
16:45 – 17:00 Kaffeepause

Themenblock III. (Sektion B)
14:00 – 14:20 András BOZÓKI (Budapest): Constitution-making in Hungary and the
post-communist transition
14:20 – 14:40 Bettina TÜFFERS (Berlin): Die 10. Volkskammer der DDR – Selbstparlamentarisierung einer Volksvertretung in Umbruchzeiten
14:40 – 15:00 Milan ZEMKO (Bratislava): Entstehung und Wege des slowakischen Parlamentarismus im 20. Jahrhundert
15.00 – 15.15 Diskussion
15:15 – 15:30 Kaffeepause
15:30 – 15:50 Jan RYCHLÍK (Praha): Prinzip des Majorisierungsverbotes in der Tschechoslowakischen Föderalversammlung und sein Einfluss auf Untergang von der Tschechoslowakei 1992
15:50 – 16:10 Jindřiška SYLLOVÁ (Praha): Formung der Position des Parlamentes im tschechischen Verfassungssystem in der ersten Hälfte der 1990er Jahren
16:10 – 16:30 Petr KOLÁŘ (Praha): Abgrenzung der Immunität der Mitglieder des Senates und Abgeordnetenhauses – ein ewiges Transformationsthema
16:30 – 16:50 Petr ROUBAL (Praha): Gestaltung des Parlamentarismus nach November 1989: Forschungsstand betreffend tschechoslowakische Föderalversammlung 1989–1992
16:50 – 17:10 Diskussion

Tschechischer Parlamentarismus in der Transformation 1990er Jahren
17:30 – 19:30 Paneldiskussion der Zeitzeugen mit den Historikern, Juristen und Politikwissenschaftlern

Freitag den 8. April
Themenblock IV.: Die Spezifika der Entwicklung des Parlamentarismus in der Zwischenkriegszeit in Mitteleuropa

9:00 – 9:20 Eva BROKLOVÁ (Praha): Parlamentsdemokratie in der Tschechoslowakei und moderner Parlamentarismus
9:20 – 9:40 René PETRÁŠ (Praha): Revolutionäre Nationalversammlung 1918–1920: strittige Rechtsaspekte
9:40 – 10:00 Michal PEHR (Praha): Reformvorschläge betreffend das tschechoslowakische Parlament in der Zwischenkriegszeit
10:00 – 10:20 Lukáš ŠLEHOFER (Praha): Die Sozialdemokraten in der Monarchie und der Republik
10:20 – 10:40 Diskussion
10:40 – 11:00 Kaffeepause
11:00 – 11:20 Marek ŠMÍD (Praha): Politischer Katholizismus der Zwischenkriegszeit und Parlamentarismus in der Tschechoslowakei
11:20 – 11:40 Alena BARTLOVÁ (Bratislava): Stellungnahme der slowakischen Abgeordneten bei der Lösung der Beziehungen des tschechoslowakischen Staates zu den Kirchen (1918–1938)
11:40 – 12:00 Timo LEIMBACH (Erfurt): Repräsentativorgane im Europa der Regionen – Länderparlamentarismus in der Weimarer Republik
12:00 – 12:15 Diskussion

Themenblock V.: Der Parlamentarismus in totalitären Regimen des 20. Jahrhunderts
13:00 – 13:20 Miroslav ŠEPTÁK (Praha): Parlament und politische Kultur in der Zeit des Überganges Österreichs von der Demokratie zu einem autoritativen Regime
13:20 – 13:40 Richard LEIN (Wien): Geschäftsordnungspanne oder kalter Putsch? Die Ausschaltung des österreichischen Parlamentarismus im März 1933
13:40 – 14:00 Kamila STAUDIGL-CIECHOWICZ (Wien): Die österreichische Verfassung von 1934 aus der Sicht der zeitgenössischen Staatsrechtswissenschafter der Wiener Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät
14:20 – 14:40 Christoph SCHMETTERER (Wien): Die Gesetzgebungsorgane im österreichischen Ständestaat 1934–1938
14:40 – 15:00 Diskussion
15:00 – 15:20 Kaffeepause
15:20 – 15:40 David HUBENÝ (Praha): Parlamentarismus in der Zeit der II. Tschechoslowakischen Republik
15:40 – 16:00 Jan DOBEŠ (Praha): Ein Gesetzgebungsorgan unter den Bedingungen der „Volksdemokratie“: tschechoslowakische Nationalversammlung 1945–1948
16:00 – 16:20 Petr KARLÍCEK (DÄcín): Tschechoslowakische Parlamentsparteien der eintretenden totalitären Zeit in den Karikaturen
16:20 – 16:40 Stanislav KONECNÝ (Košice): Nationalrat der Karpatoukraine in der Nachkriegszeit
16:40 – 17:00 Jiří HOPPE (Praha): Der tschechoslowakische Parlament im Jahre 1968
17:00 – 17:20 Diskussion
17:20 – 17:40 Kaffeepause
Ab 17:40 Schließung der Tagung und Schlussdiskussion


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Parlamentarische Kulturen vom Mittelalter bis in die Moderne. Reden – Räume – Bilder
Die Tagung findet vom 21. bis 23. Juli 2010 in Berlin statt.

Historiker betrachten moderne und vormoderne Repräsentativversammlungen gewöhnlich nicht gemeinsam. Zu groß erscheinen die Unterschiede zwischen den herrscherzentrierten und konsens-orientierten Ständezusammenkünften des Mittelalters oder der Frühneuzeit und den aus allgemeinen, freien und gleichen Wahlen hervorgegangenen Parteienparlamenten mit ihrem institutionalisierten Dissens zwischen Regierung und Opposition, wie sie sich seit dem Ende des 18. Jhs. ausbildeten. Betont werden vielmehr die
Brüche und Neuerungen, für die gleichsam als Chiffre die radikale Umwandlung der Generalstände zur Nationalversammlung in der Französischen Revolution steht.
Die aktuelle Forschung beginnt jedoch wieder die Kontinuitäten zwischen alten und neuen Versammlungen zu betonen, die sich insbesondere im Bereich der politischen Kultur zeigen. Stehen auch moderne demokratische Staatswesen noch “im Schatten des Königs”, wie jüngst einprägsam formuliert wurde (Philipp Manow, 2008)? Tatsächlich finden sich bis
heute zahlreiche Weiterführungen von vor 1789 entwickelten parlamentarischen Formen. Ein wichtiger Bereich der Kontinuität ist die bereits ab dem Spätmittelalter hochentwickelte Redekultur der Versammlungen. Diese “Parlamentsoratorik” der Vormoderne wird am
Sonderforschungsbereich 640 “Repräsentationen sozialer Ordnungen” an der Humboldt-Universität erforscht. Im Jahr 2006 wurde eine erste Tagung dazu abgehalten, deren Ergebnisse veröffentlicht vorliegen (“Politische Redekultur in der Vormoderne. Die Oratorik europäischer Parlamente in Spätmittelalter und Früher Neuzeit”, hrsg. v. J.Feuchter und J.
Helmrath, 2008).
Auf der Folgetagung im Juli 2010 soll versucht werden, das Verhältnis von Kontinuität und Diskontinuität in der parlamentarischen Kultur zwischen Mittelalter, Frühneuzeit und Moderne neu zu bestimmen. Neben der Redekultur soll auch nach der Räumlichkeit und der Visualisierung von Parlamenten gefragt werden. Der Schwerpunkt wird dabei auf europäischen Versammlungen liegen.
Die einzelnen Vorträge werden ca. 25 Minuten dauern, an die sich 20 Minuten Diskussionszeit anschließen. Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch, einzelne Vorträge werden auf Französisch gehalten (mit englischen Abstracts).
Die Teilnahme ist frei, jedoch ist für den Zugang zum Bundestag eine Anmeldung bei den Veranstaltern bis zum 12. Juli erforderlich (siehe unten)

Vorläufiges Programm

Mittwoch, 21. Juli 2010 (15.00-20.00)
Humboldt-Universität zu Berlin, Senatssaal (Unter den Linden 6,
Haupteingang)

Johannes Helmrath (Berlin), Jörg Feuchter (Berlin): Einführung

Philipp Manow (Heidelberg): “Kuppel, Rostrum, Sitzordnung – das
Bilderprogramm moderner Parlamente”

Thomas Mergel (Berlin): “Parlamentarische Kultur im deutschen Reichstag
in Kaiserreich und Weimarer Republik”

Jean-Philippe Genet (Paris): “Political Language in the Late Medieval
English Parliament”

18.15 Wissenschaftlicher Abendvortrag mit Diskussion: Willibald
Steinmetz (Bielefeld), “Normen parlamentarischen Redens in England
(17.-19. Jahrhundert)”. Danach Empfang

Donnerstag, 22. Juli 2010
Deutscher Bundestag, Paul-Löbe-Haus, EU-Saal (Paul-Löbe-Allee 2,
Südeingang)

Vormittag (9.00-12.30):

Führung durch den Reichstag

José Manuel Cerda (Santiago de Chile): “King Henry Plantagenet in the
midst of his English barons: public and ceremonial consultation at great
assemblies (1155-1188)”

Jörg Feuchter (Berlin): “Oratory in the Late Medieval English
Parliament”

Anna-Maria Blank (Berlin): “Repräsentationen sozialer und politischer
Ordnung in bildlichen Visualisierungen des englischen Parlaments (15-17.
Jh.)”

Nachmittag (14.00-19.00):

Bee Yun (Seoul): “Let Them Argue! John Milton Against Censorship”

Pasi Ihalainen (Jyväskylä): “Interconnections between parliamentary
debates and rising extra-parliamentary media in the late eighteenth
century: Britain, Sweden and the Netherlands”

Roland Kleinhenz (Erfurt): “Die politische Oratorik Robert Walpoles im
englischen Parlament”

Michel Hébert (Montréal): “Discours et sermons dans les États
provinciaux français de la fin du Moyen Âge”

Benjamin Wiese (Berlin): “Die französischen Generalstände von 1576/77
und ihre Repräsentation in Schrift und Bild”

Freitag, 23. Juli 2010, Deutscher Bundestag, Paul-Löbe-Haus, EU-Saal

Vormittag (9.00-12.30)

Francesco di Donato (Neapel): “Le language autocélébratif des cours
parlementaires dans la France de l’Ancien Régime”

John Rogister (Durham): “The Speeches of the Presidents of the Chambre
des Comptes on the reception of Controller-Generals of the Finances in
France before the Revolution”

Pedro Cardim (Lissabon): “Die portugiesischen Cortes (14-16. Jh.)”

Kolja Lichy (Gießen): “Rechtsbildung und Bild des Rechts. Dar-
stellungen des Sejm in Rechtskodifizierungen des 16. und 17.
Jahrhunderts”

Nachmittag (14.00-19.00):

Dilyara Usmanova (Berlin): “Revolutionäre Rhetorik im Parlament: Die
Staatsduma im Russischen Reich (1906-1907)”

Benjamin Buchholz (Berlin): “Afghanistans Loya Jirga”

Henry Cohn (Warwick): “Sixteenth-century Reichstag diaries”

Hans-Christof Kraus (Passau): “Zur parlamentarischen Rhetorik
politischer Professoren – Friedrich Julius Stahl und Friedrich Christoph
Dahlmann”

Andreas Biefang (Berlin): “Die Neukonstitutierung der parlamentarischen
Bilderwelt um 1800″

Hinweis: Um an den Sitzungen am 22. und 23. Juli im Bundestag teilnehmen
zu können, ist wegen der Sicherheitskontrolle eine Anmeldung bis zum 12.
Juli per E-Mail erforderlich, unter Angabe des vollen Namens und des
Geburtsdatums. Bitte schicken Sie eine E-Mail an Jörg Feuchter


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Das Parlament als Kommunikationsraum
Die Tagung findet am 5./6. November 2010 in Berlin statt.

Im Rahmen ihres Forschungsschwerpunktes »Parlamente und Parlamentarismus in Europa« plant die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien (KGParl) drei internationale Konferenzen zum Thema »Parlamentarische Kulturen in Europa«.

Gegenstand der ersten Tagung mit dem Titel »Das Parlament als Kommunikationsraum« sind die Strukturbedingungen und der Funktionswandel parlamentarischer Kommunikation in Europa vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. In vier Sektionen soll der Prozess der Wahrnehmung und Selbstbeobachtung von Parlamenten, Medien und Öffentlichkeit diskutiert werden. Die Veranstaltung wird am 5./6. November 2010 in Berlin stattfinden. Die Diskussion der exemplarisch angelegten Vorträge in den vier Sektionen soll durch den Kommentar eines Experten angeregt werden und einen durchgängigen Vergleich zwischen West- und Ostmitteleuropa ermöglichen. Die Beiträge der Referenten werden den Moderatoren und Kommentatoren vorab zur Verfügung gestellt. Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

Das vorläufige Programm der Konferenz:
Panel I: Überlegungen zur Theorie und Methode einer vergleichenden Geschichte parlamentarischer Kommunikation
Themen:
1. Kommunikationstheoretische Ansätze
2. Sprachanalyse und Soziolinguistik
3. Politikwissenschaftliche Parlamentarismusforschung

Panel II: Parlamentarische Zeremonien als kommunikative Akte
Leitfragen: das verfassungsrechtliche und räumliche Setting zeremonieller Akte; die Choreographie und Gestaltung der rituellen Abläufe durch die politischen Akteure; die öffentliche Resonanz auf zeremonielle Akte.
Themen:
1. Parlamentarische Eröffnungszeremonien
2. Parlamentarische Feierstunden
3. Reden ausländischer Staatsgäste im Parlament
4. Geschäftsordnungen und ungeschriebene Regeln parlamentarischer Alltagspraxis

Panel III: Parlamentarische Redeweisen
Leitfragen: Politisierung bzw. Entpolitisierung öffentlicher Debatten, Agendasetting durch das Parlament; Integration und Exklusion parlamentarischer Akteure oder Gruppen; der Funktionswandel parlamentarischer Debatten
Themen:
1. Rituelle und funktionale Modi parlamentarischen Redens (z. B. Thron- und Adressdebatten; Haushaltsberatungen; Festreden)
2. Dysfunktionale Debatten und obstruktives Reden
3. Performanz und Körpersprache
4. Ökonomie und Technik parlamentarischen Redens

Panel IV: Parlamentarische Kommunikation mit der Öffentlichkeit
Leitfragen: Strukturelle Bedingungen parlamentarischer Repräsentation im öffentlichen Raum; die öffentliche Wahrnehmung und Medialisierung parlamentarischen Handelns
Themen:
1. Parlamentarische Berichterstattung im Medienwandel (19.-21.Jh.)
2. Visualisierungen des Parlamentarismus (Bildpublizistik, Druckgraphik, Historienmalerei, Parlamentsphotographie, TV, Internet)
3. Öffentlichkeitsstrategien parlamentarischer Akteure (Wahlkreis- und Wahlkampfmanagement; Medienpräsenz)
4. Parlamentsarchitektur im öffentlichen Raum


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